Wohnungsmarkt drängt Mittelstand ins Umland: Fall Bourgeois sorgt für Debatte

26.03.2026


Die Zürcher FDP-Politikerin Yasmine Bourgeois gibt ihr eben erst errungenes Mandat im Gemeinderat wieder ab – nicht wegen eines politischen Skandals, sondern wegen des Wohnungsmarkts. Trotz monatelanger Suche habe sie in Zürich keine bezahlbare und für ihre Familie geeignete Wohnung gefunden, sagte Bourgeois dem «Tages-Anzeiger». Die Schul- und Bildungsexpertin war mit einem Spitzenergebnis in das Stadtparlament gewählt worden, verzichtet nun aber auf den Sitz.

Statt in der Stadt zieht Bourgeois nach Ebmatingen in der Gemeinde Maur, vor den Toren Zürichs. Dort hat sie nach eigenen Angaben eine günstigere Wohnung gefunden. Mit dem Umzug verliert sie gemäss kommunalen Vorgaben ihren Anspruch auf das Mandat in der Limmatstadt. Ihre Nachfolge im Gemeinderat tritt Parteikollegin Brenda Mäder an.

Die FDP nimmt den Fall zum Anlass, grundsätzliche Kritik an der Zürcher Wohnpolitik zu üben. Zürich entwickle sich zunehmend zu einer Stadt, in der selbst der Mittelstand kaum mehr Platz finde, argumentiert die Partei. Sie fordert mehr Wohnungsbau und verweist darauf, dass zusätzliche Angebote die Mieten dämpfen könnten. Bourgeois selbst ist überzeugt, dass Preise sinken, sobald deutlich mehr Wohnungen erstellt werden – klagt aber über Vorschriften und Bürokratie, die den Ausbau bremsten.

Die politische Brisanz des Themas zeigt sich auch in einer jüngsten Umfrage: Demnach leiden besonders junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren sowie die Stadtbevölkerung unter der Knappheit an Wohnungen. Gleichzeitig stösst zusätzlicher Neubau auf Skepsis, weil Grünflächen erhalten bleiben sollen. Während in den Städten eine Mehrheit dafür wäre, verstärkt in die Höhe zu bauen, ist die Zustimmung auf dem Land geringer. Der Rückzug von Bourgeois verleiht dieser Debatte eine konkrete, personelle Dimension – und macht sichtbar, wie eng politische Repräsentation und Wohnort mittlerweile verknüpft sind.

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Vom Minus zum Plus: Wie Steuererträge Budgets in Baselland und Dietlikon drehen

26.03.2026


Der Kanton Basel-Landschaft und die Zürcher Gemeinde Dietlikon blicken auf ein deutlich besseres Rechnungsjahr 2025 zurück als geplant. Beide Abschlüsse profitieren in erster Linie von kräftigen Steuermehreinnahmen – insbesondere aus dem Immobilienbereich. Im Baselbiet resultiert ein Gewinn von 42 Millionen Franken statt des erwarteten Defizits, Dietlikon dreht sowohl in der politischen Gemeinde als auch in der Schulgemeinde ein budgetiertes Minus respektive einen kleineren Überschuss in klare Ertragsüberschüsse.

Im Kanton Baselland schliesst die Jahresrechnung 2025 um 98 Millionen Franken besser ab als budgetiert. Statt eines noch im Vorjahr prognostizierten Defizits von 65 Millionen Franken steht nun ein Plus von 42 Millionen Franken in den Büchern. Treiber sind Steuermehreinnahmen von insgesamt 112 Millionen Franken. Besonders stark legten die Grundstückgewinnsteuer mit 74 Millionen Franken und die Handänderungssteuer mit 25 Millionen Franken zu. Auch die Einkommenssteuern natürlicher Personen lagen um 62 Millionen Franken über den Erwartungen, während die Erträge aus Unternehmenssteuern 55 Millionen Franken unter den Prognosen blieben.

Der Kanton nutzt die positiven Steuergelderträge, um finanzielle Altlasten zu reduzieren. So kann eine weitere Tranche des Bilanzfehlbetrags aus der Reform der Basellandschaftlichen Pensionskasse in Höhe von 56 Millionen Franken abgetragen werden. An der strukturellen Verschuldung ändert das jedoch wenig: Die Nettoschulden verharren bei 2,28 Milliarden Franken auf hohem Niveau. Die deutliche Abweichung zum Budget steht zudem im Schatten der letztjährigen Diskussion: Damals war anstelle eines angenommenen Minus von 60 Millionen Franken ein Gewinn von 157 Millionen Franken ausgewiesen worden, ausgelöst durch höhere Steuererträge und Verzögerungen bei der Verbuchung von Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuern.

Auch Dietlikon profitiert von einer robusten Steuerbasis. Die politische Gemeinde schliesst bei einem Aufwand von 63,962 Millionen Franken und einem Ertrag von 69,651 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 5,689 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein geringes Defizit von 35'000 Franken. Im Aufwand sind Abschreibungen von rund 1,006 Millionen Franken infolge der Neubewertung des Verwaltungsvermögens (Restatement) enthalten. Die Mehreinnahmen stammen im Wesentlichen aus Steuern früherer Jahre, Quellensteuern und Grundstückgewinnsteuern.

Die Schulgemeinde Dietlikon verzeichnet bei einem Aufwand von 22,616 Millionen Franken und einem Ertrag von 24,844 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 2,228 Millionen Franken. Auch hier wirken Abschreibungen aus dem Restatement von rund 0,493 Millionen Franken belastend auf den Aufwand, ohne den positiven Gesamteffekt zu schmälern. Gerechnet worden war lediglich mit einem Überschuss von 0,306 Millionen Franken. Damit übertrifft die Schulgemeinde ihr Budget deutlich, getragen vor allem von höheren Steuereinnahmen. Detaillierte Unterlagen zu den Dietliker Rechnungen sollen mit der Einladung zur Gemeindeversammlung vom 22. Juni 2026 veröffentlicht werden.