
Der österreichische Zuckerproduzent Agrana rechnet heuer infolge der anhaltenden Trockenheit mit einem Einbruch der heimischen Zuckerrübenernte um bis zu 40 Prozent. Statt 1,9 Millionen Tonnen Rüben im Vorjahr erwartet der Konzern lediglich rund 1,1 Millionen Tonnen aus Österreich. Die gesamte Ernte wird in der Zuckerfabrik im niederösterreichischen Tulln verarbeitet, die damit nach den jüngsten Werkschließungen noch stärker zur zentralen Drehscheibe der heimischen Zuckerproduktion wird.
Trotz der geringeren Rohstoffmenge sieht Vorstandschef Stephan Büttner keine Anzeichen für Versorgungsprobleme. Agrana verfüge über ausreichende Lagerbestände und müsse keinen Zucker am Markt zukaufen, sagte er der APA zufolge. Aus der heurigen Rübenernte sollen rund 200.000 Tonnen Zucker entstehen, nach etwa 310.000 Tonnen im Produktionszeitraum von Herbst 2025 bis Jänner 2026. Die laufende Kampagne in Österreich dauert üblicherweise von September bis November.
Auch in den übrigen Märkten des Konzerns hinterlässt die Dürre Spuren. Die vier weiteren Zuckerfabriken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa erhalten ebenfalls deutlich weniger Rüben zur Verarbeitung. Gleichzeitig haben sich die Marktbedingungen auf der Preisseite gedreht: An den internationalen Warenterminbörsen legte der Zuckerpreis in den vergangenen drei Monaten von einem Rekordtief ausgehend um rund 40 Prozent zu. Agrana sieht sich dadurch in der Lage, den Handel "ganz normal" zu beliefern, wie Büttner betont.
Das Zuckergeschäft hatte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025/26 noch tief in die Verlustzone gedrückt. Niedrige Zuckerpreise führten im März 2025 zur Einstellung der Zuckerproduktion an den Standorten Leopoldsdorf im Marchfeld und Hrušovany in Tschechien, der Konzern wies für das Jahr einen Verlust von 35,6 Millionen Euro aus. In der Folge sank die Mitarbeiterzahl um rund 600 auf 8.400 Beschäftigte. Inzwischen zeigt die Ergebnislinie wieder nach oben: Das Halbjahresergebnis kletterte von 1,1 auf 37,5 Millionen Euro bei einem stabilen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026/27 stellt Agrana ein Betriebsergebnis deutlich über dem Vorjahr in Aussicht und nennt eine Bandbreite von 90 bis 110 Millionen Euro, während der Konzern den Schwerpunkt weiter auf die Integration der Beteiligungen Austria Juice und Mercator-Emba legt.

Roche versucht nach einer Phase von Forschungsrückschlägen und Belastungen durch auslaufende Patente, das Tempo in der Medikamentenentwicklung deutlich zu erhöhen. Am Pharma-Investorentag unterstrich die Pharmasparte des Basler Konzerns den Anspruch, in Forschung und Entwicklung weiter zur Spitzengruppe zu gehören. Zentral sind dabei ein strengeres Management der Pipeline, Effizienzprogramme und der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz entlang der Wertschöpfungskette.
Pharma-Chefin Teresa Graham verwies auf eine sichtbar verbesserte Bilanz seit dem letzten „Pharma Day“: In zehn zulassungsrelevanten Studien habe Roche die gesetzten Ziele erreicht, sechs Programme seien in die zulassungsrelevende Phase vorgerückt, drei weitere in Phase II. Insgesamt verfügt Roche nach eigenen Angaben über bis zu 20 neue Wirkstoffe, die bis 2030 auf den Markt kommen könnten. Einzelne Kandidaten wie das Brustkrebsmittel Giredestrant traut der Konzern dabei jeweils Spitzenumsätze im zweistelligen Milliardenbereich zu.
Um diese Ambitionen abzusichern, verschärft Roche die internen Selektionskriterien. Ende 2023 führte der Konzern mit „The Bar“ einen neuen Bewertungsrahmen für die Pipeline ein. Nur Wirkstoffkandidaten, die klar definierte Anforderungen erfüllen, werden weiterentwickelt. Medizinchef Levi Garraway bezeichnete „The Bar“ als Leitbild für Forschung und Entwicklung. Die Auswahl potenzieller Projekte sei damit spürbar strenger geworden – mit dem Ziel, Ressourcen konsequent auf die Erfolg versprechendsten Programme zu konzentrieren und die Erfolgsquote in späten Studienphasen zu stabilisieren oder weiter zu erhöhen.
Parallel dazu treibt Roche ein Effizienzprogramm voran, um Mittel aus weniger renditestarken in wachstumsstärkere Projekte umzuschichten. Die Entwicklung neuer Medikamente soll deutlich beschleunigt werden, was insbesondere in umkämpften Indikationen wie Onkologie sowie in wachstumsstarken Bereichen wie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen an Bedeutung gewinnt. Damit will Roche erwartete Umsatzeinbussen durch Patentabläufe mehr als kompensieren und sich bis zum Ende des Jahrzehnts ein Portfolio aufbauen, das von mehreren potenziellen Blockbustern getragen wird.