Berlin lotet Neustart mit Syrien aus: Wadephul verspricht Hilfe beim Wiederaufbau

02.04.2026


Deutschland positioniert sich als möglicher Schlüsselakteur beim Wiederaufbau Syriens. Beim deutsch-syrischen Wirtschaftsforum im Auswärtigen Amt in Berlin sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) dem Land umfassende Unterstützung zu. „Wir stehen an der Seite Syriens“, betonte er vor zahlreichen Vertretern deutscher Unternehmen und des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Der Wiederaufbau des durch 14 Jahre Bürgerkrieg schwer zerstörten Staates könne nur mit internationaler Hilfe gelingen, so Wadephul, der für Deutschland eine „starke Rolle“ bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes sieht.

Die ökonomische Ausgangslage ist dramatisch: Nach Schätzungen der Weltbank werden die Kosten für den Wiederaufbau auf 216 Milliarden US-Dollar beziffert. Laut UN leben rund 90 Prozent der syrischen Bevölkerung in Armut, etwa 70 Prozent sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig hält sich allein in Deutschland Ende November noch eine syrische Community von gut 940.000 Menschen auf. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte über Rückführung von Geflüchteten eng mit der Frage verknüpft, ob Syrien in absehbarer Zeit ausreichend Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven bieten kann.

Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa sprach in Berlin von einem „Neuanfang“ und warb offensiv um Investitionen aus Deutschland. Syrien habe eine Reihe von Gesetzen geändert, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für ausländisches Kapital zu verbessern, sagte er laut Übersetzung. Mit Blick auf den Iran-Krieg bezeichnete er Syrien als einen „sicheren Hafen“ und hob große Investitionschancen hervor. Al-Scharaa lud deutsche Firmen ausdrücklich zu Besuchen in Syrien ein, um sich vor Ort ein Bild von Projekten und Marktchancen zu machen.

Die Bundesregierung signalisiert der Wirtschaft dabei Rückendeckung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies auf erhebliches Kooperationspotenzial in der Energie- und Bauwirtschaft, im Maschinen- und Anlagenbau sowie bei IT- und Softwarelösungen. Mittel- und langfristig seien die Chancen des wirtschaftlichen Austauschs enorm, sagte Wadephul. Zugleich erinnerte er daran, dass Syrien „noch vor kurzem unter einer brutalen Diktatur und einem blutigen Bürgerkrieg gelitten“ habe und nun vor der immensen Aufgabe stehe, eine Staatlichkeit aufzubauen, die Sicherheit, Freiheit und ein Leben in Würde garantiere. Zwischen humanitärer Verantwortung, Chancen für deutsche Unternehmen und der politischen Neuordnung Syriens beginnt Berlin damit, Linien für ein mögliches langfristiges Engagement zu ziehen.

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Mobiliar räumt Portfolio auf und schreibt Geschichte – aber warnt vor Wiederholung

03.04.2026


Die Schweizerische Mobiliar hat im vergangenen Jahr einen historischen Gewinnsprung erzielt. Der genossenschaftlich organisierte Versicherer steigerte den Reingewinn auf 825 Millionen Franken und damit auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts von 390,7 Millionen Franken. Treiber des Ergebnisses war ein ausserordentlich starkes Finanzergebnis, das sich von 416,7 Millionen auf 901,9 Millionen Franken mehr als verdoppelte.

Auf der Ertragsseite profitierte die Mobiliar insbesondere vom Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG) im September. Im Zuge des IPO trennte sich der Versicherer von einem Anteil von rund 10 Prozent an dem Betreiber von Online-Inserateplattformen und reduzierte seine Beteiligung auf 19,3 Prozent. Zusammen mit dem Verkauf nicht strategiekonformer Beteiligungen brachte die Bereinigung des Portfolios gut 300 Millionen Franken ein. Zusätzlich veräusserte die Mobiliar rund 3 von insgesamt etwa 16 Tonnen Gold, nachdem der Goldpreis im Jahresverlauf um 44 Prozent zugelegt hatte.

Trotz hoher Realisierungsgewinne aus Gold- und Aktienverkäufen konnte das Anlagejahr 2025 beim laufenden Kapitalanlageertrag nicht ganz mit dem Vorjahr mithalten. Der Ertrag aus den Kapitalanlagen sank um 4,5 Prozent auf 376,9 Millionen Franken. Dennoch reichte das Finanzpolster aus, um ein Grossschadenereignis zu absorbieren: Der verheerende Felssturz, der am 28. Mai 2025 das Walliser Bergdorf Blatten verschüttete, verursachte Bruttoschäden von rund 140 Millionen Franken und belastete die Schadenrechnung deutlich.

Trotz dieser Belastung verbesserte sich die Combined Ratio der Mobiliar leicht auf 97,0 Prozent nach 97,1 Prozent im Vorjahr, was auf tiefere Kosten zurückzuführen ist. Konzernchefin Michèle Rodoni dämpfte zugleich die Erwartungen für das Jubiläumsjahr 2026, in dem der Versicherer sein 200-jähriges Bestehen feiert. Der jetzt ausgewiesene Rekordgewinn sei klar von Sondereffekten geprägt, betonte sie. Börsengänge wie jener der SMG sowie derart umfangreiche Realisierungsgewinne aus Gold und Beteiligungsverkäufen seien aussergewöhnlich und liessen sich in dieser Form nicht Jahr für Jahr wiederholen.